Eine andere Welt

Immer hört man dieselbe Frage – was sind deine Hobbys? Was machst du sonst so? Mich überrumpelt das aber immer wieder. Keines meiner Hobbys scheint erwähnenswert. Alles klingt so nach „Standard“. Man kann sich darüber nie sonderlich gut unterhalten. Ich verbringe nun immer mehr Zeit damit. Mit allem was mir gefällt, mit allem wo ich Ruhe und Freude empfinde. Und es gibt bei allem eine Gemeinsamkeit – das Entfliehen der Realität. Eine Traumwelt eröffnet sich mir dadurch. Versteht es nicht falsch, ich flüchte nicht davor, sondern ich begebe mich nur in eine andere Welt. Eine Welt, die mir Kraft gibt und mich von innen aufbaut. Eine Welt, durch die ich wieder zu mir finde, egal wie stressig und streng mein Tag war. Denn nachdem ich dort war, geht es mir immer bestens. Es ist eine Welt, die mit Gut und Schlecht aufzeigt. Keine heile Zuckerwatten-Wolken auf denen Einhörner am Regenbogen lecken. Es gibt sehr viel Schlechtes in dieser Welt, aber ich weiss immer, dass alles wieder gut wird. Ich weiss, dass zu Licht auch Schatten gehört und dass ein Leben ohne Schatten langweilig wäre.

Nicht alles was ich als Hobby bezeichne lässt mich darin eintauchen. Da wäre das Schreiben, Fotografieren und die Musik. Darin bin ich in der Wirklichkeit. Ich rede hier eher vom Leben anderer Personen. Ich meine explizit nur zwei Hobbys
Zum einen Filme oder eher Serien. Meine Güte, ich bin ein Serien-Freak. How I met your mother, The Big Bang Theory, Charmed, Gilmore Gilrs, Pretty Little Liars, Gossip Girl, Suits, Scrubs und noch so viele weitere. Ich liebe die Darstellung so vieler Charakteren. Wie sie sich präsentieren und wie die Darsteller sich ins Zeug legen, um den Zuschauern das richtige Gefühl zu geben. Es löst bei mir sehr vieles aus. Freude, Scham, Traurigkeit, Verständnis, Neugier, Spannung etc. Egal wie ich drauf bin, ich kann mir die volle Dröhnung von Emotionen mitgeben lassen und meine eigenen kurz vergessen oder es unterbewusst verarbeiten.

Das zweite sind Bücher. Twilight, Harry Potter, Die Wellenläufer-Trilogie, Shades of Grey (oooh ja, ich habs gelesen) sind hier nur die wichtigsten aller fesselnden Bücher. All das hat fast dieselbe Wirkungen wie die Serien – miit ienem wichtigen Unterschied. Serien geben die Bilder und Gefühle vor. Bei den Büchern bildet man sich die Bilder und Vorstellungen selbst. Das trifft einen dafür auch umso mehr. Oft sehe ich mich als Hauptcharakter in der beschriebenen Situation. Wir können uns nur Dinge lebhaft vorstellen, die wir selbst erlebt haben. Daher trifft das Lesen und Vorstellen zum Teil noch härter. Wenn ich nie Liebe empfunden habe, kann ich die beschriebenen Gefühle nur ahnen. Wenn ich das aber bereits erlebt habe und auch verlassen wurde, kann ich das Gefühl wieder empfinden. Nur weil ich lese. Umso härter wird es von Dingen zu lesen, nach denen man sich insgeheim sehnt. Ich für meinen Teil hatte das erst vor zwei Tagen – plötzlich musste ich tatsächlich wegen einer Textpassage heulen. Hat ein Weilchen gedauert, bis ich selbst überhaupt gecheckt habe was nun los ist.

Man mach sich vielleicht denken was?! Das tut sie sich freiwillig an?! oder was hat das mit „entfliehen“ zu tun, wenn es einen trotzdem mitnimmt?!
Ja, ich tue es mir freiwillig an. Ich finde all diese Emotionen wunderschön – auch die Trauer oder Wut. Ich selbst bin nicht gerne traurig. Aber auch diese negativen Gefühle möchten anerkannt werden. Ich brauchte hier auch sehr lange, um das zu begreifen. Die Eigenen belasten was das angeht zum Teil aber schon ziemlich.Daher finde ich es wahnsinnig schön, diese Emotionen auch unabhängig zulassen zu können. Klar werde ich dadurch traurig. Aber es ist nur eine Serie/nur ein Buch. Es geht vorüber. Es regt zum Nachdenken an, wenn es einen wirklich beschäftigt. Und manchmal lernt man dabei sogar etwas. Ausserdem sind solche Storys doch genau deswegen einfach so extrem fesselnd.

Wenn ich also sage: Meine Hobbys sind fernsehen und lesen – kling das nicht sonderlich spannend. Man wird als faul abgestempelt, obwohl hier viel mehr dahinter ist, als nur faul rumzuliegen (mla ganz ehrlich, ein bisschen sehr faul ist es auch, aber eben nicht nur). Sondern auch wirkliche Emotionen und manchmal auch (unterbewusste) Arbeit an der eigenen Seele. Und auch sehr viel Abwechslung vom eigenen Leben, falls das einen vielleicht gerade überfordert – was sehr oft vorkommen kann. Aber sonst wäre das alles auch zu sehr langweilig.

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