Urlaubsorte erkunden

Wie ich schon einige Male erwähnt habe, war ich für einige Tage in Bayern. Ich habe eine 4-stündige Autofahrt hinter mir gelassen, um Chrissi zu treffen und auch einfach mal abzuschalten. Ich wollte mich nur mir widmen – filmen, schreiben, fotografieren, Umzug planen und so weiter. Grundsätzlich wollte ich mich also einsperren und Dinge tun, die ich mir nach dem Umzug sowieso jeweils für einzelne Tage vorgenommen hätte. Aber ich hatte das einfach nach dem Stress dringend nötig. Schon das Drehen am ersten Tag hat extrem Spass gemacht – ich konnte mich erholen und sehr vieles auch tun, was ich mir vorgenommen hatte. Ja. Und was ist jetzt das Problem?

Ich habe angefangen zu planen, wann ich was sehen und welche Unternehmungen ich unbedingt machen muss. Das alles setzte ich so unter Druck, dass ich überhaupt keine Lust dazu hatte. Ich sollte heute dort hin, ich habe gestern doch geplant, dass ich heute dort hinfahre. Aber ich hatte mehr Lust zum Schreiben – mehr Lust zum Filmen und Entspannen. Also habe ich mich zusammengerissen. Früher hiess das, dass ich in die Kälte rausgegangen wäre und mich an meine Pläne gehalten hätte. Doch jetzt wollte ich den Spiess umdrehen und einfach das tun, was ich wollte. Das habe ich dann schlussendlich auch getan. Es hat einiges an Überwindung gekostet, aber ich habe ein Video aufgenommen und Blogbeiträge geschrieben. Dennoch liess das schlechte Gewissen einfach nicht nach. Ich dachte die ganze Zeit daran, dass ich doch so weit gefahren bin und dennoch nur vor der Heizung sitze.

Ihr fragt euch bestimmt, weshalb es so ist. Ich habe hierfür eine einfache Erklärung. Ich war noch nie wirklich ganz allein unterwegs und die Möglichkeit hatte ich daher auch nie, komplett nur das zu tun worauf ich Lust hatte. Zum einen war das eine ziemlich ungewohnte, aber ganz coole Situation – an der man sich auch erst gewöhnen muss. Aber der grösste Knackpunkt ist doch auch einfach ein das macht man nicht. Ich kenne niemanden, der wegfährt und Geld für einen Urlaub ausgibt, ohne jeden Tag eine Unternehmung zu planen. Ich sehe es irgendwie auch so, dann kann man eigentlich gleich daheim bleiben. Dann fallen mir noch all die Fragen ein, die jedesmal gestellt werden, wenn man im Urlaub war. Wie war es? – War es schön? – Was gibt es für Sehenswürdigkeiten? – Was hast du gemacht?
Was hast du gemacht? Dann kommt wieder das schlechte Gewissen, weil ich nichts getan haben, was von der Gesellschaft akzeptiert wird. Ist das nicht ein totaler Schwachsinn?! Genau das dachte ich auch und habe mich dann näher damit beschäftigt.
Jeder Mensch ist anders und das sollte man akzeptieren. Ich gehöre nunmal zu denjenigen, die es gerne ruhiger angehen lassen. Andere sind das komplette Gegenteil. So sehr ich mir das aufsage und mir bewusst werde, dass ich selbst niemanden für sowas in der Art verurteilen würde – es half nicht viel. Und das stellte sich als ein gröberes Problem dar. Sich selbst zu akzeptieren wie man ist, gehört zu den wichtigsten Dingen überhaupt. Diese Erkenntnis brachte mich dazu, dass alles wieder entspannter zu sehen. Ich arbeite schon so lange an mir selbst und daran mich selbst so zu nehmen, wie ich bin und mich nach aussen auch so zu zeigen. Ich arbeite schon so lange daran und sehe auch das Ergebnis, wenn ich zurückblicke. Ich sehe auch alle Schwierigkeiten, die ich früher hatte und diese, die nun weg sind. Das verschwand nicht einfach so aus der Welt. Das hatte alles sehr viel Überwindung und Routinearbeit gekostet bis alles sich gebessert hatte. Und jetzt stehe ich an einem Punkt, an dem es mir (was das betrifft) nie besser ging. Und all das scheint mir nun einfach ein Punkt zu sein, an dem es noch zu arbeiten gibt. Was auch gar nicht weiter schlimm ist. Schlussendlich sind wir alle anders, jeder zieht andere Dinge vor und das muss uns immer bewusst bleiben. Genauso kann jeder einfach nur das tun, was ihm gut tut.

1 comment / Add your comment below

  1. Das kommt mir ja soo bekannt vor.
    Wegfahren, Urlaub machen ist einfach mit „etwas/viel unternehmen“ verbunden. Die Leute erwarten es und man selbst auch.
    Klar, wenn man schon Geld und Zeit investiert und irgendwohin fährt, ist es natürlich toll, etwas zu sehen. Aber genauso gut ist es eben dein eigenes Geld, deine eigene Zeit, die du hier investierst – also sollst du damit machen können, was du willst.
    Unternehmungen und viele Menschen – davon haben wir im Alltag sowieso schon genug.
    Man hat halt immer Angst, etwas zu verpassen, dabei ist so ein „Zeit für sich nehmen und Abschalten“ so wichtig.

    Ich habe das zum ersten Mal vor 3 Jahren in Tokyo gelernt (wahh, 3 Jahre ist das schon her >_<). Meine Freundin wurde krank und alleine wollte ich nicht raus – also blieb ich bei ihr in unserem winzigen Appartment, habe gelesen, Gameboy gespielt – oder einfach aus dem Fenster geschaut. Den ganzen Tag. Und es war so schön.
    Seitdem mache ich das bei jeder Reise: mindestens einen Tag nur im Hotel verbringen und schreiben, lesen, oder was auch immer. Die Entspannung ist einfach unbezahlbar.

    Also hab kein schlechtes Gewissen, mach es beim nächsten Mal einfach wieder genauso 😀

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