Wenn es peinlich wird…

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Vorurteilen – und daher auch von gewissen Normen, die man einzuhalten hat. Sehr oft bekommen wir diese von Klein auf so vermittelt und wollen dadurch immer der Norm entsprechen. Wir wollen immer perfekt sein. So sein, wie wir sein sollen – falls wir das nicht sind, gibt es Probleme mit den Eltern, Lehrern oder unter Umständen sogar mit Freunden. Was passiert aber mit uns, wenn etwas mal nicht der Norm entspricht? Was, wenn wir dies nicht verhindern können? Dies ist der Moment, an dem uns gewisse Dinge sehr unangenehm oder sogar peinlich sein können.

Hier spreche ich wieder für mich. Für meine Gedanken, meine Art zu leben – und somit auch wie ich dagegen wirke. Ich habe gefühlt jedes Fettnäpfchen getroffen, das überhaupt existiert. Ich bin diejenige, die 5 Mal nach dem Namen fragt und es dennoch nicht verstanden hat. Ich bin diejenige, die alle paar Tage über die eigene Füsse stolpert. Oder hunderte von anderen Dingen, die mir so spontan gerade nicht einfallen wollen. Es geht soweit, dass mir all das schon gar nicht mehr peinlich ist. Der Weg dahin, war dafür umso anstrengender. Denn diese Gedanken können die gesamte Lebensweise total einschränken. Mir wurde all das so stark vermittelt, dass ich Jahre gebraucht hatte, um beispielsweise so richtig mit dem Bloggen anzufangen. Ich hatte immer Lust dazu und es einige Male versucht – doch bei etwa 90% meine Themen dachte ich jeweils nur was, wenn das jemand sieht den ich kenne?! Dann kann ich das nicht schreiben! – womit die Möglichkeiten der Themen sowie die Lust zu schreiben logischerweise weg blieben. Ich habe ein riesiges Geheimnis über mein Hobby gemacht – dass ich mir das Coding wie HTML, CSS, PHP selbst beigebracht habe. Dass ich Grafiken erstelle. Dass ich Homepages habe. Oder auch dass ich einige gute Freunde über diese Hobbys kennengelernt habe. Irgendwann habe ich den Schritt aber dennoch überwunden. Denn irgendwann kam einfach der Tag, an dem ich einfach Anfangen wollte, zu tun wozu ich Lust habe. Denn alles was ich tun wollte, war nun mal nicht Standard. Ich ging direkt aufs Ganze und habe meinem Chef den Blog gezeigt. Nun, nicht ganz diesen Blog, sondern damals noch Interactive Designs. Ihr wisst gar nicht, wie übel das für mich war – ich habe mir ein Erdbeben herbeigewünscht, welcher ein Graben unter mir eröffnet, in das ich dankbar reinspringen könnte. Aber hey, ich habe es überlebt.

Ab da an stand ich einfach zu dem, was ich tat. Ich verheimliche weder meinen Blog, noch sonst etwas davon – vorallem ging ich mit der Zeit immer einen Schritt weiter und veriet ganz langsam mehr über mich. Ganz mit der Tür ins Schloss fallen wollte ich auch nicht, denn grundsätzlich war ich komplett anders, als alle mich kannten. So ganz zufrieden war ich damit auch nicht und stellte mir daher neue Fragen – was wollte ich schon immer machen, aber habe mich nicht getraut? Welche Dinge gab es, die ich nicht tat, weil mir jemand einredete, dass ich es nicht kann oder dass es nicht richtig ist? Ich lerne nun Klavier zu spielen und habe ein riesiges Keyboard. Ich hatte sogar Gesangsstunden. Um alldem eine Krönung zu geben, nahm ich einen Song auf und präsentierte den vor etwa 30 Personen. Noch nie war mir etwas so peinlich und ich müsste mich extrem überwinden, um sowas nochmals zu tun. Denn ich kann wirklich nicht singen. Aber hat es mir geschadet? Definitiv nicht! So what?!

Daraus hat sich für mich ein neues Mantra entwickelt. Klingt so ziemlich komisch, aber ich werde für meinen Teil so sehr viel freier. Denn irgendwann habe ich mich an die meisten peinlichen Situationen gewöhnt und kann einfach freier Leben. Ohne mir zu denken, ob das jetzt richtig ist oder nicht. Ohne fast versinken zu wollen, wenn mal etwas nicht klappt. Während ich den gesamten Song (Ich hab dich lieb von LaFee für den 50. Geburtstag von meinem Vater) aufgenommen, geschnitten, Techniken herausfand, damit es nicht allzu schrecklich klingt – habe ich mich bestimmt bis zu 10 Mal umentschieden ob ich das zeigen soll. Mit meinem neuen Mantra klappte es tatsächlich sehr gut. Ich vermute ich hätte das ganze sonst überhaupt nicht hingekriegt. Darum bleibe ich dabei – Wenn es peinlich wird, dann tu es erst recht. Vielleicht mache ich mich damit zum Clown – aber hey, dann bin ich wenigstens ich. Und konnte dafür einige amüsieren. So what?! Mich würde passend zum Thema auch noch interessieren, was eure peinlichsten Momente sind und wie ihr damit umgeht?

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