Wenn ein Nein nicht gilt

Da schreibt sie endlich mal wieder etwas und dann geht es um solche triste Themen – tja, so spielt sich das manchmal nun mal ab. Vorab als Information: Ich will mir nicht anmassen zu behaupten, mir sei allzu Böses angetan worden. Dies ist lediglich eine Sichtweise, die ich mir in der letzten Zeit aufgezeigt wurde und mit der ich nun versuche umzugehen. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt über solche Themen reden sollte – doch man merkt wie viele Menschen sich selbst einfach herunterspielen. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob hier eine Trigger-Warnung stehen sollte – doch wenn ihr übergriffige Erfahrungen gesammelt habt, könnte euch dieser Beitrag wohl ziemlich an die Nieren gehen. Sei es, weil es euch trifft oder weil ihr Schlimmeres erlebt habt und meint, dass ich gar nicht das Recht habe darüber zu schreiben.

What’s about

Ja, um was geht es überhaupt. Ich durfte in dem letzten zwei Jahren insbesondere zwei wahnsinnig tolle Menschen näher kennenlernen – Menschen, die mich nicht nur so akzeptierten wie ich wirklich bin. Nein, sie haben viel mehr erreicht. Ich durfte mich finden, mich selbst ebenfalls akzeptieren und eine bessere Version meiner selbst werden. Gleichzeitig durfte ich mit schwierigen Themen in meiner Vergangenheit abschliessen. Und an einem Thema hänge ich immernoch, obwohl ich nicht mal wusste, dass es jemals eines sein sollte. Tatsächlich befinde ich mich gerade mitten drin – aber das zu erläutern würde hier wohl etwas zu weit gehen.

Wenn wir uns den Titel mal genauer ansehen, geht es um das einfache „Nein“. Ein „Nein“ um übergriffige Handlungen zu verhindern, was aber oft nicht gehört wird. Und ich spreche hier nicht von Vergewaltigung, auch wenn es im weitesten Sinne auch in diese Richtung geht. Ich werde hier auch keine Rollen trennen. Dieses Thema betrifft Männer sowie Frauen – Erwachsene sowie auch Kinder. Denn leider ist es so, dass ein „Nein“ viel zu oft nicht gilt – und somit als Übergriff empfunden wird.

Definition

Die einfachste Definition eines Übergriffes ist wohl eine Vergewaltigung. Ein Missbrauch. Doch soweit will ich wie schon erwähnt, nicht gehen. Eine einfache Sache, kann bereits einen Übergriff darstellen. Lasst uns etwas mit dem Wort spielen, vielleicht hilft es dem Gedankenkarusell auf die richtige Spur.

Übergriff – übergreifen – über etwas greifen – über etwas darüber greifen.

Wenn wir das ganze etwas konkreter angehen wollen:
Übergriff auf jemanden – jemanden übergreifen (keine Ahnung, ob das Sinn macht und so existiert) – über eine Grenze greifen

Versteht ihr auf was ich hinaus will?

Nein

Falls nicht, kommen hier nun konkretere Beispiele. Ein Übergriff kann vieles sein. Ein Übergriff kann eine Berührung sein. Eine Berührung eines deiner Gegenstände. Eine Berührung deiner Nahrungsmittel. Ein Schluck aus deiner Wasserflasche. Eine Berührung auf deinem Körper. Solang ihr damit nicht einverstanden seid, ist das ein Übergriff. Selbst wenn ihr es erlaubt, obwohl ihr das nicht wollt, ist es ein Übergriff. Ein Übergriff nimmt Schaden an, egal ob ihr das kommuniziert oder nicht.

Ein Übergriff könnten aber auch Handlungen sein. Wenn dir jemand für etwas eine Verantwortung gibt. Ein Beispiel, wow Jolly. Mir fällt aber gerade tatsächlich nichts mehr ein. (Authentisch und so)

Ein Übergriff können vor allem auch Worte sein. Wenn dir jemand deine Worte komplett umdreht. Wenn jemand seine Worte als deine ausgibt. Wenn jemand deine Worte nicht ernst nimmt und sich darüber hinweg setzt.

Weshalb mich das im Moment so beschäftigt? Mein Thema liegt bei den Berührungen – ich möchte körperlich meine Ruhe, ich möchte nicht angefasst und betüttelt werden. In meiner Ausbildung bin ich dem aber ausgesetzt, denn ohne geht es nicht. Selbst das ist dann schlussendlich eine übergriffige Handlung, obwohl ich das aus lerntechnischen Gründen zulasse. Denn in mir wehrt es sich. Das wird eines der nächsten Punkte sein, die ich angehen darf und darin wird mich morgen eine sehr wertvolle Person unterstützen. Grosses Danke.
Jetzt kommen wir aber noch zum wichtigsten Thema. Die häufigsten Übergriffe passieren nämlich in folgender Kategorie.

Erwartungen

Übergriffe können aber auch Erwartungen sein. Und hier kommen wir zum grössten Thema. Ich nenne euch einig Beispiel. Nicht wundern, der stammt tatsächlich aus meinem Leben. (Und in meinem Kopf läuft gerade ein einziger Kampf im Stile von – what the fuck erzählst du das hier, bist du völlig bescheuert, was wenn das tatsächlich einer liest du Superhirn. WAS WENN DU DEN DANN SOGAR KENNST?!). Ein weiterer Schritt aus der Komfortzone und ein weiteres Mal emotional nackt im Internet, so let’s go.

Stellt euch vor ihr habt eure/n erste/n Freund/in (ich bin jetzt schon von dieser Schreibweise ausser Atem. Ich gehe ab jetzt einfach davon aus, wir seien alle Frauen. Spricht auch besser aus meiner Sicht, trotzdem gilt das für alle anderen Wesen wie Männer, solche die noch nicht wissen was sie sind oder solche, die sich gar nicht erst entscheiden wollen ebenfalls. Man muss ja heutzutage aufpassen, was man sagt. Das dient nur für mich zur vereinfachter Tippweise). Puh. Nächster Versuch. Stellt euch vor ihr habt euren ersten Freund. Der Kerl hat da schon ein wenig Erfahrung, ihr nicht wirklich. Aber dennoch ist da diese fuckin‘ Erwartung seinerseits. Eigentlich gefällt euch das nicht. Eigentlich wollt ihr ihm gefallen und lasst euch trotzdem auf alles mögliche ein. Übergriff par excellence. Bei dem Beispiel könnt ihr noch nicht mal jemanden verantwortlich machen, denn Schuld seid nur ihr selbst, weil ihr das zugelassen habt. Lustigerweise durfte ich etwas ähnliches beim zweiten Kerl ebenfalls erleben, hier war jedoch unbewusste emotionale Erpressung mit im Spiel. Das geht dann so weiter, bis man es endlich lernt.

Was lernen?

Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie wirklich einen Übergriff durchführen (und wenn doch, sind es wirklich Arschlöcher. Ich möchte nichts verschönigen, aber jetzt bin ich neugierig, ob das hier zensiert wird.) Wir auch nicht, während es uns passiert. Oder wir verdrängen es – wird ja nicht so schlimm sein. Dennoch wird es einen das Leben lang begleiten (oder zumindest, bis das aufgelöst ist) und spätestens nachdem man das realisiert, fühlt man sich doch ein wenig vergewaltigt – von sich selbst. Wie konnte ich mir das selbst antun? Ich habe für mich selbst nun gelernt, bevor ich mich zu irgendetwas entscheide, einfach erst in mich zu gehen. Und zu entscheiden, was genau ich möchte. Möchte ich einen Übergriff erlauben, um durch die Ausbildung zu kommen? (Nicht wirklich, aber ich arbeite daran). Möchte ich einen Übergriff erlauben, nur damit andere kriegen was sie wollen und ich ihnen gefallen kann? (Ehrlich gesagt, habe ich schon länger damit aufgehört, aber das Beispiel war einfach gerade perfekt). Stellt euch diese Fragen. Ist es euch das Wert?

Little fact

Wenn ihr in einem Bus sitzt, der sonst leer ist. Jemand setzt sich aber genau neben euch und quatscht euch an. Ihr mögt und wollt das nicht, doch er hört nicht auf und sich wegzusetzen ist nicht möglich, da besagte Person im Weg ist – ist das ein Übergriff aufgrund einer Handlung. Passiert so oft und ist so wenigen bewusst.

 

Ich will nicht belehrend erscheinen und ich will mich vorallem auch nicht auf einer Wellenlänge setzen wie eine missbrauchte Person. Jemand aus der Familie meinte zu dem Thema, dass ich dennoch das Recht hätte, mich ein wenig vergewaltigt zu fühlen. Denn irgendwie glaube ich nicht, dass ich tatsächlich dazu das Recht habe, da es schon etwas zu weit geht. Nun sei es so, ich will nur die Sichtweise mit euch teilen, die ich mir angeeignet habe. Ich weiss ehrlich gesagt selbst nicht so genau, weswegen ich das nun niederschreibe – dafür aber herzlich willkommen in meinem Gedankenkarusell der letzten Wochen.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.