Die Story-Challenge

Was für Challenges diese Welt bereits hatte – ich frage mich immer wieder, ob das überhaupt etwas bringt. Das soll nun aber ein wenig anders werden. Das ist nicht für einen angeblich guten Zweck oder um jemandem eins auszuwischen. Das wird meine Challenge.

Ich habe wieder extrem Bock darauf, richtig zu schreiben. Damit meine ich einfach etwas anderes als Zusammenfassungen von Systemen im Gehirn, Beantragungen auf Selbständigkeit, Anleitungen oder Bewerbungen. Einfach etwas richtiges. Als Kind war ich unfassbar stolz darauf, dass ich tatsächlich zu den banalsten Dingen eine Story herzaubern konnte. Ich glaube da gab es sogar einmal eine Geschichte über einen verwaisten Kugelschreiber. Mit Büchern habe ich das schon oft versucht, aber um hier nochmals eine Start zu wagen, fehlt mir tatsächlich einfach die Zeit zwischen Arbeit, Schule, noch mehr Schule und zwischendurch habe mich doch tatsächlich Freunde, die mich auch wieder sehen möchten (ich glaubs auch kaum) – und ich sie natürlich ebenfalls. Aber nun kommt die Story-Challenge ins Spiel. Viele kleine Kurzgeschichten, die ich mir hier aus den Fingern sauge und eintippen möchte. Denn ich muss schreiben, aber ich möchte frei schreiben können.

Ihr kommt hierbei ins Spiel. Schreibt mir in die Kommentare ein Thema. Oder auf Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp, E-Mail – wie auch immer ihr mich kontaktieren mögt. Es kann auch nur ein Wort sein. Kugelschreiber zum Beispiel. Ich zaubere dann eine euch gewidmete Kurzgeschichte dazu. Das ganze wird dann hier hochgeladen und kann unter der Kategorie „Story-Challenge“ gefunden werden.

Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber ich freue mich darauf. Als Vorgeschmack hatte ich im 2017 bereits den Prolog von Storyline hochgeladen. Da sich Chrissi hier bereits Interesse an „Leben im Spielfeld“ hatte, gibt es hier den Prolog dieser Geschichte. Leben im Spielfeld ist 2015 entstanden – nach einem Prolog und zwei Kapitel war jedoch schnell Schluss. Das war mein bisher letzter Versuch ein Buch zu schreiben. Aber nun, dürft ihr einen Teil hier geniessen.

Leben im Spielfeld (2015) – Prolog

Der erste Versuch

„Bringt diesen Nichtsnutz weg von hier, ich will ihn nicht mehr auf dem Deck dieses Schiffes sehen!“
„Ja, Captain!“, rufe ich und schnappe mir zeitgleich den Arm des Idioten neben mir.
Etwas angeekelt schwinge ich seinen Arm um meinen Rücken und helfe ihm so vom Deck weg. Der Geruch von Rum brennt sich in meine Nase. Wir Piraten sind für unsere Saufgelage bekannt, doch unser Captain besteht darauf, dass wir das auf den Abend verschieben. Nur die besten Piraten dürfen mit an Bord. Dazu gehört es auch, sich an die Regeln zu halten. Ich war schon bei den verschiedensten Schiffen mit an Bord und habe dennoch keinen besseren Captain wie hier erlebt. Jede Schlacht wird von uns gewonnen. In dieser Crew werden keine Beuten unterschlagen, sondern alles genauestens aufgeteilt.
„Junge, du weisst schon, dass du das nicht ewig durchziehen kannst. Wenn es dir nicht passt, verschwinde doch einfach, sobald wir das nächste Mal an Land sind“, seufze ich und lasse meinen Kameraden auf den Boden fallen.
Er stöhnt nur auf. Leute kommen und gehen. Verräter sind immer mal wieder hier, darum wird nicht viel miteinander geredet. Der Captain vertraut niemanden, beliebt es aber immer fair zu sein. Es gibt einige Verbündete auf diesem Schiff. Man sagt über diese, dass sie irgendwann selbst ein Schiff erobern und uns angreifen würden. Ob das so stimmt, weiss ich nicht. Gerüchte gibt es hier genauso viel wie Rum.
„Ich will ans Deck“, nuschelt es vom Boden aus.
Mein Kamerad steht auf. Er wankt kurz und fällt dann wieder hin. Ich schüttle genervt den Kopf, doch in dem Moment fällt mir auf, dass das Schiff schwankt. Als Pirat gewöhnt man sich daran, ich merke es meistens kaum. Doch für das sonnige und windfreie Wetter ist so etwas sehr ungewöhnlich. Die See wirkte vorhin auch sehr ruhig und ohne Wellen.
Gerade als ich an Deck nach dem Rechten sehen will, ertönt ein lauter Knall und ich höre die Schreie des Captains. „ANGRIFF!“
Ohne weiter darüber nachzudenken, renne ich hoch. Meine Pflicht ist es, die ganze Crew zu beschützen. Die Gegner dürfen niemals unser Schiff erobern. An Deck angekommen, vernebelt mir der Qualm des entzündeten Schwarzpulvers die Sicht. Piraten sind sich einig – nichts riecht besser als der Qualm einer abgefeuerten Kanone. Ausser die Kanone wird von den Gegnern gezündet. In diesem Fall hat der Gegner den Warnschuss gegeben. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Schlacht jetzt beginnt.
„Wendet das Schiff! Wendet das Schiff!“, schreit unser Captain und der Steuermann reisst das Steuerrad voller Kraft in die andere Richtung.
„Kanonen bereit?!“
Das gegnerische Schiff ist doppelt so gross wie unseres. So grosse Schiffe sieht man immer wieder, doch für sie sind wir nicht viel wert. Es lohnt sich für sie normalerweise nicht, viel zu kleine Piratencrews anzugreifen. Kurz frage ich mich, was das soll und mustere das Schiff. Ihre Kanonen kommen an unsere nicht ran. Wenn wir getroffen werden, sieht es schlecht aus. Im genaueren Vergleich schätze ich, dass wir keine Chance gegen die Anderen haben. Sie verfolgen uns und das Schiff ist zu nah. Doch kurz nachdem mir das bewusst wird, sehe ich wie die ersten Piraten vom anderen Schiff zu uns aufs Deck springen. Ich ziehe mein Schwert und renne mit zehn anderen Kameraden auf unsere Gegner zu. Gemeinsam gelingt es uns einen Teil abzustechen und den Rest in die See zu schubsen. Die Crew ist zwar gross, dennoch aber sehr schwach.
„Ein Mann weniger!“, schreit jemand hinter mir.
Der betrunkene Kamerad, den ich vorhin weggeschleift hatte, muss es wohl in der Zwischenzeit ans Deck geschafft haben. Seine Absichten sind klar. Er wollte uns zwar helfen, doch sein eigenes Schwert durchbohrt nun seinen Magen. Er liegt regungslos da.
„Feuer!“, schreit der Captain und unsere Kanonen treffen das gegnerische Schiff.
Es schwankt kurz, hält sich aber aufrecht. Die Männer am gegnerischen Deck stehen regungslos da.
„Das müssten die schwächsten gewesen sein. Die Leute von vorhin“, sagt ein anderer Kamerade neben mir, während er sein Schwert betrachtet. Ich nicke.
Er hat recht. Es war viel zu einfach. Die Crew von so einem grossen Schiff sollte besser ausgebildet sein. So gut, dass wir keine Chancen hätten. Oder doch nicht?
„Habt ihr niemals von den schwächeren Piraten gehört, die einfach in einer grösseren Crew sind? Da fällt es nicht so auf. Das Schiff erledigt die Arbeit und die Crew wird gefürchtet. Weshalb sollten sie uns sonst angreifen, die sind doppelt so gross!“ Kaum sage ich das, ernte ich geschockte Blicke. Ich habe wohl recht.
„Feuer!“, höre ich nochmals. Doch das kommt nicht von unserem Captain.
Wir werden von sechs Kanonen gleichzeitig getroffen. Das Schiff scheint zu kentern. Ich bin darauf nicht vorbereitet und falle mit voller Wucht nach hinten. Das einzige was ich noch spüre, ist wie mein Kopf irgendwo aufschlägt. Alles um mich herum wird schwarz.

„Es kentert. Wir haben es geschafft, das Schiff kentert!“, höre ich nachdem ich aus meiner Ohnmacht aufwache.
Ich hoffe wirklich, dass dieser Satz von einer aus unserer Mannschaft stammt. Ansonsten ist mir nicht bewusst, wieso ich noch lebe. Doch die Stimme ist weit weg.
Der Geruch von Feuer dringt in meine Nase und wird immer stärker. Ich öffne meine Augen und sehe nichts anderes als den blutroten Himmel, der den Sonnenuntergang widerspiegelt. Mein Körpergefühl kehrt zurück und ich merke, wie heiss es ist. Zu heiss!
Schnell drehe ich meinen Kopf nach rechts. Mir wird schwindelig, doch ich erkenne noch genau, wie mein rechter Arm brennt. Die Gegner haben gewonnen. Mit aller Kraft stehe ich auf, bemerke nur nebenbei, dass unser Schiff voller Leichen ist. Verzweifelt schwinge ich meinen brennenden Arm umher, bis mir die einzige Lösung einfällt. Ich klettere mit meiner letzten Kraft über die Reling und springe ins Wasser.
Alles um mich herum dreht sich. Das Wasser ist kühl und löscht das Feuer an meinem Körper sofort. Verzweifelt versuche ich aufzutauchen, doch ich habe mitten im Wasser die Orientierung verloren. Ich schaffe es kaum die Augen zu öffnen um zu sehen, wo das Licht ist. Die Luft geht mir aus und ich spüre, wie das Wasser in meine Lunge dringt. Ich fuchtle nervös mit meinen Armen und Beinen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich in die korrekte Richtung fortbewege, doch ich muss alles versuchen. Es scheint als würde meine ganze Lunge in tausend Teile zerbersten ohne ein Ende zu nehmen. Die Kraft verlässt mich und ich kann nichts anderes tun, als alles auf mich einwirken zu lassen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit verschwinden die Schmerzen und ich spüre nichts mehr. Um mich herum wird es weiss. Das ganze Leben zieht an mir vorbei. Wie ich in einer Fischerfamilie aufwuchs. Ich sehe mir noch einmal zu, wie ich auf die schiefe Bahn geriet und mit dem ersten Pirat in Kontakt kam.
„Nein!“, versuche ich mich davon abzuhalten, doch es nützt nichts. Ich weiss nun genau, dass es falsch war was ich getan habe.
Ich sehe mir zu, wie ich meine Crew auf verschiedenen Schiffen verteidigt habe. Wie ich unzählige gegnerische Männer getötet habe. Männer die nur andere ausbeuteten, um ihre Familien ernähren zu können.
Ein Schmerz durchzuckt meine Seele und ich möchte einfach nur alles wieder gut machen. Kaum habe ich diesen Wunsch in Wörter geformt, hört der Schmerz auch wieder auf. Ich habe diese Lektion nun gelernt. Es hat viele böse Dinge in meinem Leben gegeben. Für alles war nur ich allein verantwortlich, ich kann es noch ändern. Das weisse Licht verschwindet.
Verwirrt sehe ich mich um. Neben mir ist ein lebloser Körper, mitten im Wasser. Ich beobachte, wie er regungslos im Wasser treibt. Nach einer Weile realisiere ich wer das ist und in welchen Schwierigkeiten ich jetzt stecke. Mir fällt wieder ein wo ich bin und was ich hier mache.
„Verdammt, ich bin tot“, fluche ich und schaue nach oben.
Ich versuche zurück in meinen toten Körper zu dringen, doch es klappt nicht. Jeder meiner Berührungen geht durch den Körper hindurch.
„Ich muss das doch irgendwie beheben können! Mein Leben kann doch jetzt noch nicht vorbei sein!“
Eine Ewigkeit versuche ich es immer und immer wieder. Nie gelingt mir irgendetwas. Der Körper treibt immer weiter mit dem Wasser und wirkt leer und fahl.
„Gib es auf, dieser Körper ist tot. Du hast verloren“, erklingt eine Stimme von oben.
„Mist, ihr hab es bemerkt“, murmle ich.
Kaum habe ich meinen Tod akzeptiert, fliege ich immer weiter nach oben. Ich schliesse die Augen, denn ich will die ganze Katastrophe nicht sehen. Nur fünfundzwanzig Jahre habe ich es geschafft und dann bin ich auch noch ertrunken. Ich öffne die Augen, als ich merke, dass ich angekommen bin. Die anderen sehen mich belustigt an.
„Tut mir Leid“, meint jemand und holt mich aus dem Feld.
Ich seufze. „Ich wollte da eigentlich gar nicht rein.“
Mein Blick fällt auf das Spielfeld. Ich sehe wie das Schiff kentert und deren Gegner alle ausnehmen und feiern. Mein Ego ist gekränkt, sobald ich an den leblosen Körper im Wasser denke. Alle hier um das Spielfeld haben mir zugesehen. Es war mein erstes Leben, was so jämmerlich geendet hatte. Erreicht habe ich auch nichts. Keine Schlacht geführt und kein neues Land entdeckt. Dabei sieht das Spiel so einfach aus. Ich höre das ganze Gekicher um mich herum. Mir ist bewusst, dass ich zur unteren Hälfte gehöre. Neben mir steigen eine Menge anderer Seelen aus dem Feld. Vermutlich sind das die anderen Leichen auf dem Schiff. Ich blicke kurz in das Spielfeld und sehe, wie sich in einem anderen Land eine Naturkatastrophe anbahnt. Kurze Zeit später steigen noch mehr Seelen aus dem Spielfeld und gehen.
„Ich will nochmals“, sage ich.
Ruhe kehrt ein und eine Stimme spricht. „Jeder hat ein Leben, dass weisst du. Wenn du das versaust bist du raus.“
„Ich will einen zweiten Durchlauf! Da bin ich ja nicht der Einzige!“
„Du wolltest doch zuerst gar nicht, wir mussten dich zwingen. Du hast dich mit allem möglichen gewehrt und versucht uns zu hintergehen indem du anderen geholfen hast. Wo ist diese Angst vor dem Leben geblieben?“
Alle anderen lachen nur noch. Sie alle machen mich aggressiv, denn sie waren es die mich in das Spiel geschubst hatten.
„Auch geil auf das Leben geworden“, höre ich jemanden weit hinter mir lachen.
„Nun“, sagt die Stimme wieder, „entweder stellst du dich hinten an, bei all denen, die nochmals ins Spiel wollen. Du kannst aber auch direkt einen Richter verlangen.“
Ich sehe auf die Warteschlange. Es stehen eine Menge Leute dafür an, doch es macht mir nichts aus zu warten. In dieser Zeit kann ich einen Plan für mein neues Leben schmieden.
„Kein Richter. Ich warte.“

1 comment / Add your comment below

  1. Ich habe erst kürzlich überlegt, dass ich gerne wieder mehr Geschichten schreiben will. Mehr Kurzgeschichten, da ich es einfach nie schaffe eine komplette (Buch) Geschichte zu schreiben. Als Kinder habe ich das schon eher geschafft bzw. auch noch als Jugendliche. Mittlerweile bin ich froh, wenn ich ab und zu was kleines schreibe.
    Eventuell würde ich mit meinem Blog also gerne an deiner Challenge teilnehmen, wenn das geht? ^o^

    Deine Geschichte hier ist gut. Ich hab sie gerne gelesen. Flüssig und spannend geschrieben.

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